Resilienz -was ist das?

Ein Gastbeitrag von Katja Michalek von www.punktlandung.training.


Man sagt ja, dass Resilienz das neue Schwarz ist. Jeder oder jede, der oder die etwas auf sich hält, legt sich jetzt so eine zu. Sagt man. Und Frau auch.
Ja, Resilienz ist jetzt total in Mode. Aber, geschätzte Leserinnen und Leser – wer weiß schon, was Resilienz genau ist?! Ich. Und ich erkläre es dir gerne.

Zunächst einmal möchte ich dich bitten, in die Küche zu gehen und dir einen Schwamm zu holen. Er muss nicht neu sein, aber trocken wäre nicht schlecht. Bist du soweit?

Dann drücke diesen Schwamm bitte ganz fest. …
Und loslassen. Und noch einmal, fester diesmal. … versuche ihn richtig platt zu drücken. Gib alles, volle Power! …
Und loslassen. Und jetzt schau dir den Schwamm noch einmal an. Was fällt dir auf? … Gar nichts? Er sieht (mehr oder weniger) so aus wie vorher?

Genauso ist es. Er ist nämlich: RESILIENT.
Resilienz ist nichts anderes als die Fähigkeit eines Körpers, nach einer Drucksituation wieder seine ursprüngliche Form zu erlangen.

Das, was du gerade mit dem Schwamm gemacht hast, macht das Leben mit uns. Tag für Tag – mal mehr, mal weniger. Auf uns Menschen bezogen bedeutet Resilienz nämlich nichts anderes als, in schwierigen Situationen – nach Rückschlägen oder schlechten Erfahrungen – wieder aufstehen zu können, nach vorne zu schauen, positiv zu sein.

Stelle dir Resilienz als eine Art Spinnennetz vor (wenn du dich nicht gerade vor Spinnen ekelst). Gewoben haben dieses Netz unsere Eltern, unsere Geschwister, später auch unsere Freunde. Je nachdem wie gut sie darin waren, ist das Netz mehr oder weniger stark. Genauer: sind die einzelnen Fäden mehr oder weniger stark.

Dieses Netz ist dafür da, uns durch schwierige Situationen zu tragen. Uns wieder hoch zu federn, damit wir weitermachen können. Dabei kann es passieren, dass sich das Netz an einigen Stellen abnutzt. Dass einzelne Fäden dünn werden, oder gar reißen. Das passiert selten von einem Tag auf den anderen. Es kann das Resultat eines steten Zermürbungs-prozesses sein. Manchmal aber auch von einer einzigen schlimmen Erfahrung. Und plötzlich steht man da, ohne Netz, weiß nicht mehr weiter und unter einem tut sich ein Abgrund auf.

Die gute Nachricht ist aber: wir sind selber die Spinnen. Wir können die einzelnen Fäden reparieren, das Netz flicken, und es stärker machen, als es jemals war. Wir haben es selber in der Hand.

Aber was sind denn nun die einzelnen Fäden, und wie kann ich sie stärken?

Dein Resilienz-Netz besteht aus 7 Fäden, die miteinander verbunden und verwoben sind und sich auch gegenseitig stützen.

Der erste Faden ist die Impulskontrolle. Das ist zum einen deine Fähigkeit, dich zusammenzunehmen und nicht direkt aus der Haut zu fahren, wenn dich jemand angreift. Zum anderen ist Impulskontrolle aber auch mit der altmodischen Disziplin vergleichbar – also deiner Fähigkeit, Dinge zu Ende zu bringen, die du einmal begonnen hast, und dich bei wichtigen Aufgaben nicht ständig von Facebook, WhatsApp & Co. ablenken zu lassen.

Der zweite Faden ist die Emotionssteuerung. So nennen wir deine Fähigkeit, negative Gefühle gezielt und bewusst in positive umzuwandeln. Das heißt nicht, deine Gefühle zu unterdrücken, sondern wirklich und mit Absicht zu entscheiden, dir nicht die Laune verderben zu lassen.

Als dritter Faden kommt die Empathie dazu, also die Fähigkeit, dich in deine Mitmenschen hinein zu fühlen.

Faden Nr. 4 nennt man Zielorientierung. Darunter verstehen wir, dass du dir Ziele im Leben setzt und diese auch konsequent (vgl. Impulskontrolle) verfolgst. Allerdings kann es auch sein, dass einzelne Ziele zwischendurch auch mal auf Grund geänderter Lebensumstände unwichtig geworden sind. Dann schaffst du es, diese auch ad acta zu legen und neue zu definieren.

Optimismus ist der fünfte Faden in deinem Resilienz-Netz. Das ist dein grundsätzliches Vertrauen darin, dass es schon gut werden wird, und dass auf schlechte Zeiten auch wieder gute folgen.

Als sechsten Faden besitzt du Selbstwirksamkeitsüberzeugung, also das Vertrauen in dich selbst und deine eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen. Der Sturm des Lebens wirft dein Schiff nicht einfach hin und her – du weißt, wie du die Segel zu setzen hast.

Faden Numero 7 ist die Kausalanalyse. Damit ist deine Fähigkeit gemeint, nach Fehltritten und Dingen, die schiefgegangen sind, innezuhalten und in Ruhe zu analysieren, was denn der eigentliche Grund war. Und welchen Anteil du selber daran hattest.

Und wie war das jetzt mit dem Stärken?

Stärken kannst du dein Resilienz-Netz durch eine Fülle von Übungen – es hängt natürlich ein bisschen davon ab, welche Faktoren bei dir wie stark ausgeprägt sind.

Eine hervorragende Übung, die deine Resilienz in ihrer Gesamtheit stärkt, ist die Meditation. Allerdings führt sie in der Regel erst durch wiederholtes, konsequentes Üben zu einer langfristigen Veränderung.

Es gibt verschiedene Arten von Meditation – manche grenzen ans Esoterische, andere sind eher handfest. Du kannst auf Musik meditieren, auf geführte Imaginationen, oder auf deinen Atem. Hier ist eine ganz einfache, für die du nur dich benötigst.

Wähle eine Uhrzeit, zu der du nicht gestört werden möchtest, weder durch das Telefon, noch den Ehemann, der seine Socken nicht findet. Suche dir einen ansprechenden Platz und setze dich dort bequem auf einen Stuhl oder ein Kissen. Achte darauf, dass du bequem und warm genug angezogen bist. Stelle dir einen Wecker oder dein Handy so ein, dass du nach einer gewissen Zeit erinnert wirst. Beginne mit 5 Minuten, steigere langsam auf 10, dann 15 Minuten, und wenn du magst, auch noch mehr.

  • Lege deine Hände locker auf den Oberschenkeln ab, Handflächen nach oben, und schließe die Augen.
  • Zähle beim Einatmen langsam bis 4.
  • Halte den Atem und zähle bis 2.
  • Atme langsam auf 6 aus.
  • Halte den Atem auf 2.
  • Beginne wieder mit dem Einatmen auf 4.
  • Halte auf 2.
  • Atme auf 6 aus.
  • Halte auf 2. Usw., bis der Gong ertönt.

Und hier noch eine Übung für die gute Laune (Stichwort: Emotionssteuerung): Stift im Mund – fake it until you make it..

Nimm einen Stift deiner Wahl zur Hand und stecke ihn quer in den Mund, so dass du mit den Zähnen draufbeißt. Dadurch werden die Mundwinkel nach außen gezogen, ähnlich einem Lächeln oder Grinsen.

Halte diese (zugegebener Weise merkwürdige) Pose für ein 60 Sekunden, und du wirst merken, dass sich deine Stimmung bessert.

Durch das Auseinanderziehen der Mundwinkel werden die Muskeln in den Wangen aktiviert, die du auch beim Lächeln, also wenn du wirklich fröhlich ist, benutzt. Das Gehirn merkt das und denkt – oh, wir lächeln. Dann scheinen wir uns ja wohl zu fühlen. – und weist die Ausschüttung der entsprechenden Hormone, z.B. des Glückshormons Serotonin an. Mag etwas abstrus klingen, ist aber wissenschaftlich erwiesen. Und funktioniert. Probiere es mal aus.

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Einen wundertollen Tag wünscht dir herzlichst
Deine Katja Michalek


Katja MichalekKatja Michalek´s Leidenschaft ist die Begleitung von Menschen die sich beruflich, räumlich oder geistig verändern wollen.

Ihr Wunsch ist es, Menschen dabei zu helfen, im Beruf und im Leben glücklich und auf gesunde Art herausgefordert zu sein. Sie dabei zu unterstützen, ihre eigene Kraft zu nutzen und ihre Flügel zu entfalten. Ihnen Mut zu machen, sich von den Wellen des Lebens nicht mitreißen zu lassen – sondern auf ihnen zu reiten.

Mehr über Katja Michalek  findest du auf www.punktlandung.training.

Beitragsbild: © pixabay.com

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